Dieses Buch erzählt den Aufstieg des rebellischen Comandante zum Präsidenten Venezuelas und die Geschichte der Bewegungen, die ihn tragen. Die Bewohner der Armenviertel sahen in dem jungen Offizier mit dem roten Barett schon bei seinem fehlgeschlagenen Militärputsch 1992 ihren Helden. Im Schatten der neuen Weltordnung schaffte es der charismatische Chávez, die zersplitterte Restlinke, die Menschenrechtsbewegung, Teile der Kirche, der Militärs, der linksbürgerlichen Parteien und vor allem die Millionen der marginalisierten Venezolaner auf seine Seite zu bringen. Als Präsident gelang es ihm, die Ölindustrie unter seine Kontrolle zu bringen und so die ökonomische Grundlage für eine neue Sozialpolitik zu legen. In enger Zusammenarbeit mit Kuba wurden anderthalb Millionen Menschen alphabetisiert, medizinische Grundversorgung in die Barrios gebracht und eine Agrarreform angestoßen. Institutionen wie die »Frauen-Bank«, die Förderung alternativer Medien und die Unterstützung linker lateinamerikanischer Politiker festigen seine Position als Erneuerer. Doch seine „bolivarische Revolution“ hat Venezuela auch polarisiert. Die Regierung Chávez hat den einstigen Eliten des Landes die Hegemonie über die Staatsraison genommen, aber nicht unbedingt ihre wirtschaftliche, institutionelle und mediale Macht. Der Machtkampf zwischen den neuen politischen Klassen und dem alten Establishment ist gepflastert mit realen und erfundenen Verschwörungen, die auseinanderzuhalten nicht einfach ist.
Heute ist Hugo Chávez das Enfant Terrible der globalen Politik. Er ruft das Ende der gegenwärtigen Weltordnung aus, beleidigt seine Gegner und versetzt Staatschefs, um sich mit Globalisierungsgegnern zu treffen. Er besucht Schurkenstaaten, lässt Armen in den USA billiges Heizöl liefern und moderiert jeden Sonntag eine Fernsehshow, die selten unter sieben Stunden dauert. Der erste Mestize unter Lateinamerikas Staatschefs ähnelt ein wenig Muhammed Ali. Statt durch Anpassung vergessen zu machen, dass er Angehöriger eines kolonisierten Volkes ist, geht er auf Konfrontationskurs. Statt sich als Juniorpartner der Großen anzubieten, will er die Kleinen zusammenbringen.
DER AUTOR
Christoph Twickel, Jahrgang 1966, beschäftigt sich als Journalist, Reisender, DJ und Radiomoderator seit 1988 mit lateinamerikanischer Kultur und Politik. Seine Tätigkeit als freier Korrespondent hat ihn nach Mexiko, Panama, Kuba, Nicaragua und Venezuela geführt. Er arbeitet unter anderem für die Frankfurter Rundschau, die tageszeitung, die Frankfurter Sonntagszeitung, Brand Eins, das Greenpeace Magazin, den NDR und das Thalia Theater. Bei Edition Nautilus gab er das Buch „Läden, Schuppen, Kaschemmen. Eine Hamburger Popkulturgeschichte“ heraus.
Christoph Twickel
Hugo Chávez
Eine Biografie
Originalveröffentlichung
Broschiert, ca. 250 Seiten
ca. (D) 19,90 / sFr 34,90
ISBN 3-89401-493-8
Erschienen bei:
EDITION NAUTILUS, Alte Holstenstr. 22, D-21031 Hamburg
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